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Florida-Urlauber erzählen
"Als Malerin und Fotografin habe in längere Zeit in den USA gelebt und bin dort viel herumgekommen. Meine stärksten Eindrücke von Florida sind die Farben, die Wolken und die Feuchtigkeit. Ich liebe Miami. Dort ist das Meer von..."
Shura K. aus Amsterdam/Niederlande
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Floridas Norden
Wo Quellen sprudeln und das Leben langsam fließt — unterwegs in Floridas Norden
Von Susanne L. Born
Im Norden Floridas gibt es eine Unmenge historischer Stätten und Naturparks, unberührte Landschaften, Flüsse mit so lyrischen indianischen Namen wie Chattahoochee, Ochlockonee, Suwannee, Olustee und Waukeemah — und natürlich die berühmten Quellen. Sie benennen Orte wie High Springs, Lake City, Water Town, Ginnie Springs, und Fountain. Überall Flüsse, Quellen und Seen — Wasser wohin man nur blickt. Allein in Nord-Florida gibt es 100 Frischwasserquellen. Florida lag einst unter Wasser, besteht zu großen Teilen aus sogenanntem Limestone und Korallenriffs und ist von unzähligen Höhlen und Tunneln durchsetzt. Seit den 1920er Jahren ist Florida ein El Dorado für Höhlentaucher, — die Frischwasserquellen sind rund ums Jahr nicht kälter als 22 Grad und immer klar, denn das Wasser wird vom Muschelkalk gefiltert. Millionen von Litern gelangen täglich ans Tageslicht. Etliche Quellen sind große Labyrinthe mit hunderten farbenprächtiger Fische, Wasserschildkröten, Alligatoren und Manatees — ein Paradies für Taucher, Schnorchler und Paddler.

In Silver Springs, nur wenige Kilometer von Ocala entfernt, wurde nachweislich die Fahrt mit dem Glasbodenboot erfunden. So eine Fahrt ist schon deswegen interessant, weil die "Bootsführer" zumeist sehr unterhaltsame Geschichten erzählen. Zumeist stecken sie in Khaki-Uniformen und haben kleine Namensschilder an der Brust, die mit Captain beginnen. Mein Captain in Silver Springs heißt Joe und ist ein netter älterer Herr, der offenbar Spaß an der Sache hat. Nicht ganz ernstgemeinte Warnungen wie "Links ein Alligator — bloß nicht die Hand ins Wasser stecken", wo fünfzig Meter weiter eine Familie badet, amüsieren uns Mitfahrende. Auch die nachgebaute Siedlung am Flußufer ist FAUX. Wir kreisen über Höhlen und Erdspalten, starren durch den gläsernen Boden des Bootes hinab zum Ursprung des Geschehens, dahin wo die Quellen in 20 Metern Tiefe aus Mutter Erde treten. Seeschildkröten sind mit von der Partie, nur Familie Alligator macht sich heute rar. Man kann schließlich nicht alles haben.

Von Silver Springs aus fahre ich auf die Interstate 75 in Richtung Norden und biege kurz vor Lake City auf eine kleine Landstraße ab. Mein Ziel ist der Ichetucknee Springs State Park. Wenn die Seele auf Wanderschaft gehen soll und der Körper Abkühlung braucht, so hat mir jemand gesagt, dann fahren Sie zum Ichetucknee River. Und da bin ich nun und liege auf einem Gummireifen und die Strömung trägt mich von dannen. Den Blick gen Himmel gerichtet, umgeben vom Zischen und Zirpen der d schungeligen Welt, treibe ich friedlich dahin. Zypressen ziehen vorüber, eine Wasserschildkröte plumpst von einem Baumstamm ins kühle Naß, ein Flußotter zieht vorüber. Das gemächliche Abenteuer nennt sich Tubing und wurde vom ehemaligen Parkmanager Azell Nail erfunden. Die kürzeste Fahrt dauert 45 Minuten, die längste dreieinhalb Stunden. Am Ziel angekommen, fährt mich ein Busservice zurück zum Ausgangspunkt. An verschiedenen Quellen des Ichetucknee und des Santa Fe River kann man im klaren kühlen Wasser schwimmen, ein Kajak mieten, schnorcheln und picknicken. Himmlisch!

Auf malerischen Highways (erst 27, dann 98) fahre ich von Ichetucknee Springs über Perry nach Osten. Wenige Kilometer südlich von Florida‘s Hauptstadt Tallahassee, liegt eine bemerkenswerte Quelle, eine der größten und tiefsten der Welt: In Wakulla Springs werden pro Minute eine knappe Million Liter Frisc hwasser ausgestoßen. Das Wasser ist so kristallklar, daß vom Glasbodenboot aus prähistorische Mastodon-Knochen sichtbar sind, die einst von den Wassermassen aus der Tiefe hochgeschleudert wurden und nun als verschwommene Attraktionen auf dem Boden verharren. An der Quelle wurden einst Tarzan-Filme gedreht und ich erfahre, daß des Hauptdarstellers bester Freund, ein Schimpanse namens Cheetah, noch am Leben ist. Das Tierchen ist sagenhafte 71 Jahre alt und steht damit berechtigterweise im Guinness Buch der Rekorde. Einige Mutige tun es Tarzan nach und wagen Kopfsprünge vom Original-Holzturm, der auch in den Filmen zu sehen ist. Die Lodge versprüht den rustikalen Charme einer Jugendherberge. Die Zimmer sind ein wenig spartanisch eingerichtet, einen Fernsehapparat suche ich vergeblich. Im Speisesaal sitze ich in einem Sessel, der in den 1940er Jahren best immt genauso bequem war wie heute. Zum Dinner gibt es in Panade frittierte Austern und Shrimps, und ich schaue in den Garten hinaus, wo ein Reh in Seelenruhe über den Rasen spaziert, Eichhörnchen von Baum zu Baum huschen, während langsam die Sonne zwischen den mit Spanischem Moos behangenen Bäumen untergeht — begleitet von Glenn Millers "Chattanooga Choo Choo" vom Kassettenrekorder. Wo sonst gibt es sowas?

Der nächste Tag ist einer aus dem Florida-Bilderbuch. Die Luft ist glasklar, der Himmel blau, die Sonne strahlt. Über der Bucht von chicola kreisen weiße Kraniche. Rechts und links der Straße sehe ich ab und zu Hausrat für die Müllabfuhr. Hier hat kürzlich ein Hurrikan gewütet und den Menschen di e Dächer über dem Kopf weggerissen, Boote genommen und manchmal sogar die Existenz. Apalachicola selbst ist ein altes Fischerdorf, die Austernbänke waren einst Haupteinnahmequelle der Einwohner. Heute tritt zunehmend der Tourismus in den Vordergrund, sichtbar vor allem an der größten Straßenkreuzung mit Restaurants und Andenkenläden. Die Arbeiter, die in Overalls und ausgewaschenen T-Shirts im Barbersalon auf dem alten Frisörstuhl sitzen und sich einseifen kassen, gehören eigentlich in einen Wim-Wenders-Film. Ein filmisches Ambiente, das sich nahtlos in einem mexikanischen Restaurant ohne Alkohollizenz forts etzt, wo die Sombrerohüte an der Wand hängen und die Großfamilie geschäftig und gutgelaunt ihre Gäste bewirtet. Während der Opa die zischenden Fajitas auf dem Grill wendet, wirbeln die Enkel als Bedienungspersonal durch das Lokal und werfen zwischendurch Blicke zum plärrenden hispanischen Fernsehsender. Die Gäste sind eine einzigartige Mischung aus Arbeitern mit Pickup-Truck vor der Tür, einheimischen Familien und neugierigen Touristen mit Sinn für Exotik. Apalachicola selbst hat eine nostalgisch-charmante Atmosphäre, auch wegen der hübschen alten Holzhäuser im viktorianischen Stil.

Auf St. George Island erwarten mich 29 Meilen langer feiner, weißer Sandstrand. Die Insel, an keiner Stelle mehr als 1,5 km breit, ist über eine toll bridge von Apalachicola aus oder per Boot zu erreichen. Ein Traum für Sonnenanbeter und Muschelsammler. Einfach das Auto abstellen, durch die Dünen wandern, den quirligen Strandläufern zusehen. Die Insel war einst das Zuhause der Creek-Indianer, danach bevorzugter Standort für Piraten. Heute stehen auf der Insel stattliche Einfamilienhäuser, meist Zweitwohnsitze, die laut Gesetz nicht höher als zwei Stockwerke sein dürfen.

Ich fahre südlich die Küste entlang und denke wieder, die Zeit sei irgendwann stehengeblieben. Ein e weiche Brise weht vom nahen Ozean herüber, der Steinhatchee River fließt sanft dahin und reckt seine Arme in ein einzigartiges Ökosystem, in dem Palmen und Seegras in den Himmel wachsen und alle möglichen Tierarten zuhause sind. Der Steinhatchee River fließt in den sechs Meilen entfernten Golf von Mexiko und ist gespeist von Quellen, die bis zu zehn Meter tief liegen. Naturerlebnisse sind hier garantiert — Urlauber kommen zum Wandern, Schwimmen und Kanufahren, der am wenigsten in das Ökosystem eingreifenden Freizeitaktivität. Und wer Venusmuscheln mag, reist im Sommer zum beliebten "Scalloping" an — das flache Gewässer ist Brutstätte für die beliebten Muscheln, die von echten Liebhabern manchmal gleich roh verzehrt werden. Wir wären nicht in den USA, wenn man nicht höchst komfortabel übernachten kann. Ein Gentleman aus Georgia hat sich mit "Steinhatchee Landing" seinen Traum erfüllt und Holzhäuser im viktorianischen Stil zu einem kleinen Dorf zusammengefügt. Dean Fowler nimmt mich und seinen Hund Justin auf Bootsfahrt und zeigt mir riesig hohes Seegras und die erstaunliche Vielfalt der Palmen: kleine, breit gefächerte, hohe, dicke und dünne, — manche sagenhafte 400 Jahre alt. Beim Abschiednehmen von Nordflorida spüre ich Wehmut, fühle, wie sehr mir diese Region mit ihrer Natur, ihren Menschen mit dem melodischen Südstaatenakzent, ihrer scheinbar langsamer vergehenden Zeit und auch ihrer wilden Unberechenbarkeit nahe gekommen ist.
 
   
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