"Wir waren im Norden Floridas unterwegs. St. Augustine ist sehr interessant, wer etwas über die Geschichte des Landes erfahren möchte, sollte dorthin fahren. Die kleine Stadt hat schöne alte Gassen zum Spazierengehen, ausgefal..." Sabrina T. aus Aarau/Schweiz weiter
Fünf Tage in Süd-Florida
Unterwegs zwischen dem pulsierenden South Beach und den Naturschönheiten der Florida Keys
Von Stefan Elfenbein
Endlich angekommen! Schnell ins Hotel, umziehen und ab ins Wasser; 32 Grad, Palmen und Blüten in den Vorgärten, es duftet, ein Kolibri, am schmiedeeisernen Zaun der Versace-Villa schauen Medusen-Häupter. Und da liegt auch schon der Strand von Miami Beach. Die Dünen und der Beach Walk, eine Promenade, die so ein bisschen an die Cobacabana erinnert, sind ganz neu angelegt. Wunderschön sind die bunten Holzhäuschen der Life Guards; Mint, Pink, Flieder, Eierschalengelb. Die Farben korrespondieren mit den frisch gestrichenen Fassaden der Häuser am Ocean Drive. Viel tut sich in der Stadt. Auch die Stars und Sternchen sind wieder da; Jennifer Lopez dreht ihre TV-Soap South Beach, Lenny Kravitz ist mit seinem Aufnahmestudio ins The Setai gezogen. Aber jetzt endlich ins Wasser; an der Oberfläche lauwarm, weiter unten an den Fußspitzen erfrischend kühl, genau richtig - wunderbar!
Zwei Tage sollte man sich für Miami und Miami Beach schon Zeit nehmen. Tagsüber macht es Spaß ins Seaquarium zu gehen, in Little Havana Empanadas zu futtern oder in den Venetian Pool zu springen, Miamis größtes Freibad, das im dem Steinbruch entstand, aus dem der Korallenstein für viele der historischen Gebäude geholt wurde. Art Deco und MiMo, Miami Modern, der Stil der 50er Jahre, machten vor allem Miami Beach berühmt. Vieles wurde jetzt gerade renoviert. Und Spaß macht es auch, sich an einem der Abend einfach mal schick zu machen, sich unters bunte Volk mischen und eines der spektakulären Hotels und Restaurants nach dem anderen anschauen.
Zuerst vielleicht ins exklusive The Setai im ehemaligen Dempsey Vanderbilt Hotel von 1938; in der Lobby mächtige Bronzestatuen, im Innenhof schwebt ein Holz-Baldachin über einem schimmernden See. Und dort, in Lounge-Ecken mitten im Wasser, serviert Shaun Hergatt, Miamis bester Küchenchef, Asiatisches. Ein paar Meter weiter im berühmten Delano wehen Stoffbahnen durch eine Säulen-Halle mit Spiegeln und Lüstern, die aussieht, wie aus 1001 Nacht. Direkt nebenan, im ehemaligen DiLido Hotel von 1953, einem der schönsten MiMo-Kreationen, ist das edle Ritz-Carlton, South Beach, entstanden. Da auch einmal einfach durch die Halle laufen! Und jeden Samstag kann man am Pool den Meerjungfrauen beim traditionellen 50-Jahre-Wasserballett zuschauen. Und dann, nach all dem Laufen, setzt man sich am besten in eine der vielen Cocktailbars auf dem Ocean Drive, Leute anschauen, die Nacht genießen.
Drei Tage bleiben noch im Süden Floridas. Am Morgen, erst einmal die Augen reiben. Nun könnte man in Richtung Norden fahren, an die Strände von Fort Lauderdale und zu den Promis nach Palm Beach. Aber eigentlich täte nach dem gestrigen Abend Natur ganz gut, Natur pur. Also aufgemacht gen Keys; 800 Inseln, die sich, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, 200 Kilometer weit ins Meer erstrecken, links Wasser, rechts Wasser, an der Spitze die einstige Seeräuberstadt Key West. Der spanische Abenteurer Ponce de Leon entdeckte die Inseln. "Cayo" heißt "flache Insel" auf Spanisch; daraus wurden die Keys. Also los, in Richtung Süden, auf die Overseas Highway, die einzige Straße, die über die Inseln führt. Und schon nach der ersten Brücke, in Key Largo, ist alles ganz anders: Die Postboten tragen Tropenhelme, Seekühe aus Beton als Briefkastenständer. Jede Adresse auf den Keys ist durch ihren Mile Marker (MM), die Entfernung vom südlichsten Punkt der Highway in Key West, definiert. In Key Largo liegt auch die African Queen, aus dem gleichnamigen Film, die kann man besichtigen, und im John Pennekamp Coral Reef State Park, kann man schnorcheln.
Es ist kurz nach Drei; genau die richtige Zeit um im Florida Keys Wild Bird Center in Tavernier (MM 93,6) anzukommen. Und da fliegen sie auch schon; Reiher, Kraniche, Kormorane, am verrücktesten sind die Pelikane: Einer nach dem anderen schwebt im kleinen Mangrovenwald von Laura Quinn ein – 100, 150 sind schon da. Laura Quinn bringt Eimer mit Fisch. Die Pelikane rücken näher. Touristen können in die Eimer greifen, und schon geht es los; die Fische im hohen Bogen durch die Luft, große Pelikan-Augen, noch größere Touristen-Augen; Hunderte Schnäbel gehen auf, wie beim Ballet. Die anderen Vögel fressen, was daneben fällt. Vor 26 Jahren kam Laura Quinn auf die Keys, ein benachbarter Arzt gab ihr einen Vogel zu Pflege. Seit dem kümmert sie sich um alle verletzten Vögel auf den Inseln, und die kommen immer wieder und bringen Freunde mit.
Ähnlich Ungewöhnliches kann man auch ein paar Meilen weiter erleben, bei Robbie’s auf Islamorada (MM 77,5). Dort schauen dicke Glubschaugen aus dem Wasser, breite Mäuler schnappen nach Luft. Jeden Morgen kommen Hunderte von Tarpons, riesige Fische, die eigentlich nicht so nah am Ufer leben, an den Bootssteg von Robbie Reckwerdt. Wie Perlmutt schimmern die Leiber, die sich mit der Strömung bewegen. Touristen können die Tarpons füttern, und die springen dann sogar ein paar Zentimeter aus dem Wasser. Vor 30 Jahren pflegte Robbie Reckwerdt einen verletzen Tarpon im Swimmingpool. Und genau wie die Vögel von Laura Quinn kam auch der Riesenfisch immer wieder, brachte Freunde mit.
19 Uhr, es wird schon dunkel, der dritte Tag im Süden Floridas ist fast vorbei. Wer all die Sehenswürdigkeiten in Key Largo und Islamorada mit Ruhe genießen will, sollte in der Mitte der Inselkette übernachten. Motels sind überall, Luxus bietet das Hotel Casa Morada. Gutes Essen gibt’s im japanisch-karibischen Restaurant Kaiyo (MM 82), ein Bier sollte man bei Country Music im Lorelei trinken (MM 82,5). Wer noch etwas weiter, ins nächste Städtchen, nach Marathon, gefahren ist, kann im Hidden Harbor Motel und Turtle Hospital (MM 48,5) übernachten. Im Motel-Pool ist das einzige staatliche anerkannte Meeresschildkrötenkrankenhaus der USA entstanden, mit Ambulanz und Rettungshubschrauber. Essen gibt’s bei Key Fisheries (MM 49). Außerdem kann man im Dolphin Research Center (MM 59) einer Tochter und zwei Enkeln von Flipper aus dem hier gedrehten Film bei Kunststücken zuschauen. Jetzt aber ins Bett. Am Morgen geht es weiter.
Tag Vier, und schon geht es los: Direkt hinter Marathon werden die Keys noch wilder, ursprünglicher, die Farben intensiver, auf den hohen Brücken schweben Fregattvögel auf Augenhöhe, Pelikane balancieren auf den Geländern. Im National Key Deer Refuge sollte man kurz das Blue Hole umwandern, dort tummeln sich Alligatoren. Und dann Key West, einst die reichste Stadt Floridas, der südlichste Punkt der USA: bonbonfarbene Häuser, Karibikflair, hohe Palmen, es riecht nach Jasmin, in den Bäumen hängt Spanisches Moos. Spaß macht es, hier einfach durch die Straßen zu schlendern, sich treiben zu lassen. Ernest Hemingway hat hier geschrieben. Sein Haus ist Museum, im Garten tummeln sich die "Hemingway-Katzen," eine Sorte mit sechs Zehen an den Pfoten. Die wurden gezüchtet, um früher auf den Segelschiffen selbst hoch oben in der Tagelage Mäuse zu fangen. Schön ist auch das Audubon House in dem 1832 der Maler und Naturforscher James Audubon arbeitete. Karibisches Essen gibt es im Blue Heaven, den besten Fisch im Seven Fish. Mit einem Katamaran kann man zu den vorgelagerten Koralleninseln fahren. Und jetzt die letzte Nacht, morgen geht’s zurück aufs Festland. Etwa vier Stunden dauert die Fahrt von Key West bis nach Miami. Aber bevor man die Insel-Perlenkette verlässt, sollte man auf jeden Fall noch einmal im Bahia Honda State Park (MM 37), dem schönsten Strand auf den Keys, ins Wasser springen; der Geruch von See und Salz, die Sonne auf der Haut, und wieder ist das Wasser oben lauwarm, unten an den Fußspitzen erfrischend kühl – wir kommen bestimmt bald wieder!